Leseprobe : Romanfragment (Entwicklungs-/Freundschaftsroman, humoristisch, voraussichtlich ca 70.000 Wörter), 2020

(Ausschnitte aus Teil 1: Vor dem Lockdown)
Kapitel 1: Erschlagen im Keller von Schloss Hurra
Die ehemaligen Bahnschienen sind inzwischen völlig zugewuchert, nur das alte Bahnhofsschild mit der verblassten Aufschrift ‚Caldenburg‘ steht noch inmitten eines dichten Holunderbusches im Garten. An dem Sandsteingebäude gegenüber, über der großen Eingangstür aus schwerem Eichenholz, ist die Mauer an der Stelle etwas heller, wo einmal das Hotelschild gehangen haben muss. Die alte Tür hat noch immer den Anstrich, der noch aus der Zeit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg stammen muss. Die Farbe blättert inzwischen fast völlig ab. Dennis weiß nicht einmal, wie das Hotel damals hieß und er nimmt sich immer wieder vor, ins Stadtarchiv zu gehen und mehr über die Geschichte dieses alten Hauses zu erfahren, das Anfang und Mitte letzten Jahrhunderts sowohl Bahnhof und als auch Hotel für Reisende gewesen war. In der Gegend wurde das Gebäude nur “Schloss Hurra” genannt, aber keiner wusste genau, wieso eigentlich.
Seine kleine Tochter Mia, die er aus der Grundschule geholt hat, rennt über die zugewachsene Wiese auf das alte Gemäuer zu, das jetzt ein Mietshaus mit sieben Einzelwohnungen ist.
“Hallo Dennis! Hi Mia, wie geht’s?”, werden die beiden im Hausflur begrüßt.
“Hallo Thea!” ruft Mia zurück und da ist Thea, die in der gegenüberliegenden Wohnung von Dennis und seiner Familie wohnt, auch schon im Keller verschwunden, um ihr Rad zu holen.
“Ahhhhh!!!” Ein gellender Schrei von Thea aus dem Keller, in dem sie gerade verschwunden ist. Dennis lässt Mias Ranzen fallen und die Kleine klammert sich an das Bein ihres Vaters. Der versucht, dieses Kind, das nun wie ein Krake an ihm festklebt, abzuziehen und rennt hinunter in den Fahrradkeller. Thea steht kreidebleich vor jemanden, der gekrümmt auf dem Boden liegt. Neben dem gekrümmten Jemand ein dicker Stein. Dennis überblickt sofort die Lage: direkt über dem Menschen ein Loch in der Wand, der Mauerstein musste sich gelöst und auf den Mann gefallen sein, der jetzt regungslos auf dem Boden liegt. Dennis kontrolliert sofort den Puls des Mannes.
“Er lebt noch”, murmelt Dennis mit erstickter Stimme.
Mia taucht auf der Türschwelle auf, schreit auf und fängt augenblicklich an wie eine Sirene zu heulen. Thea läuft zu dem weinenden Kind und nimmt es in den Arm, während Dennis den Notruf verständigt, der ihn am anderen Ende kaum versteht, weil Mia im Hintergrund so brüllt. Thea schnappt sich die Kleine und schleppt sie hinaus. Sie ist froh, eine Aufgabe übernehmen zu können, die sie bewältigen kann. Ihr erster-Hilfe Kurs ist wie ihre Führerscheinprüfung ein Viertel Jahrhundert her. Dennis ist jünger, außerdem ein Mann und überhaupt in Stresssituation viel besser als sie. Ihr dreht sich in Notsituation immer sofort der Kopf und sie fühlt sich wie ein Huhn im Stall, indem der Fuchs eingebrochen ist. Mia in ihrem Arm beruhigt sich langsam.
“Wer ist das?”, fragt die Kleine leise, zwischen zwei Schluchzern.
“Du, weiß ich nicht, keine Ahnung. Ich habe den noch nie gesehen!”
“Was macht der hier?” will Mia weiter wissen.
“Keine Ahnung! Ich weiß nicht, wer das ist, was der hier will, was passiert ist. Aber wir werden es erfahren!”, beruhigt Thea sie. Thea lässt die Kleine auf den Boden gleiten, nimmt sie an die Hand und lugt um die Ecke des Türrahmens, in den Fahrradkeller. Dennis hat den Mann inzwischen auf den Rücken gedreht und kontrolliert ständig den Puls. Der Mann scheint gleichmäßig zu atmen, eine Animation scheint nicht nötig. Inzwischen gibt er sogar Laute von sich, fängt an, sich zu bewegen. Ein Stöhnen.
“Bleiben Sie ruhig liegen! Der Krankenwagen kommt gleich. Ist Ihnen schlecht? Müssen Sie sich übergeben?”, redet Dennis leise auf ihn ein.
Der Mann gibt Töne von sich, die darauf schließen lassen, dass ihm nicht übel ist, er lediglich Schmerzen hat. Dann hört man die Sirene des Notarztes. Thea läuft nach oben, zieht Mia hinter sich her, während Dennis bei dem Mann bleibt. Wohl ihm ist ihm nicht dabei, aber ihm ist klar, dass das nicht anders geht. Es scheint eine Ewigkeit zu dauernd, bis Thea mit dem Notarztteam zurückkommt und er endlich die Verantwortung für diesen Menschen, den er in seinem Leben nicht gesehen hat, der weiß-der-Teufel-was hier zu suchen hatte, abgeben kann. Der eine Arzt versucht zu erfahren, was passiert ist, aber mehr als auf den Stein zu zeigen, der aus der Mauer dem Mann auf den Kopf gefallen zu sein scheint, kann Dennis auch nicht. Der Krankenwagen nimmt den Mann mit, sie werden später in Erfahrung bringen müssen, wer er ist. Thea, Dennis und Mia bleiben schweigend zurück, während die Sirenen immer leiser und tiefer werden, bis man gar nichts mehr hört. Stille legt sich über das Dreiergrüppchen. Der plötzliche langgezogene schrille Ruf einer Goldammer: “Tztztzztz- Tziiiiiiiiiiiiie!“, reißt Thea aus ihrer Starre.
“Dennis! Kanntest du den?! Was hat der in unserem Keller gemacht?!”
Wortlos schüttelt Dennis langsam den Kopf. Er starrt weiter vor sich hin. Im Notfall hat er es geschafft, zu handeln, jetzt geht ihm im Nachhinein alle Courage verloren. Er fragt sich, ob er alles richtig gemacht hat und der Mann keine Folgeschäden haben wird, weil er, Dennis, ihn vielleicht nicht hätte auf den Rücken rollen sollen. Aber er hatte nicht gewusst, wie er sonst herausbekommen sollen, ob der Mann noch atmete. Thea begreift, dass sie nicht mehr aus ihm herausbekommt. Sie versucht, sich ins Gedächtnis zu rufen, wie der Mann ausgesehen hat.
“Dennis, wie sah der Typ aus, erinnerst du dich?”
“Weiß nicht, normal halt. Hab’ nicht drauf geachtet,” antwortet Dennis mit monotoner Stimme. Er ist plötzlich wie in Schockstarre.
“Er war etwas älter als ich, würde ich sagen, Mitte 50”, überlegt Thea laut, unbeeindruckt von Dennis’ plötzlichem Phlegma. “Nicht dick, … aber auch nicht dünn. Ja, normal halt. Die Haare konnte ich nicht sehen, er hatte so’ne komische Mütze auf.” Dennis reißt sich zusammen, versucht, wieder zu sich zu kommen und antwortet:
“Stimmt, darum haben wir sicher auch keine Wunde gesehen, die er aber gehabt haben musste, bei dem Brocken, der ihm auf den Kopf gefallen ist.”
“Brille, er hatte eine Brille auf! Also, so halb, die hing irgendwie noch am Ohr und musste abgefallen sein, als du ihn auf den Rücken gedreht hast,” entfährt es Thea, “Die müsste da unten noch liegen!”
In Thea kommt nun richtig Leben. Sie läuft hinunter in den Keller, Dennis dreht sich abrupt um und sieht ihr fragend hinterher. Triumphierend kommt sie mit einer altmodischen runden Intellektuellenbrille zurück, bei der ein Glas zerbrochen und ein Bügel verbogen ist.
“Hier, er hat seine Brille verloren!”
“Ja, und?”, fragt Dennis verständnislos, “Wie bringt uns das nun weiter?”
“Wir können ins Krankenhaus und haben einen Vorwand, den Typen zu sehen!”
“Können wir das nicht sowieso machen, brauchen wir dafür einen Vorwand? Immerhin ist der Typ in unser Haus eingebrochen! A propos, wir sollten die Polizei rufen!”, gibt Dennis zu Bedenken.
“Mh, ich weiß nicht, sollen wir nicht erstmal rauskriegen, was der wollte?”
“Na, hör mal Thea! Der ist einfach ins Haus gegangen und in den Keller und hat da offenbar was gesucht! Und das auf eine Art und Weise, dass sich ein Stück Mauer gelöst hat und ihm auf den Kopf gefallen ist!”
“Klingt in jedem Fall nicht nach einem versierten Einbrecher.” Thea grinst. “Wie kann man so bescheuert sein und sich einen Stein auf den Kopf fallen lassen, wenn man irgendwo einbricht?” Thea findet ihre gute Laune wieder, die bei ihr den Großteil ihres Gemütes ausmacht.
“Nun steht auch immer der Hausflur offen! Lisa hat das schon oft moniert und gesagt, dass das unvorsichtig ist.” Dennis hat sich immer schon gefragt, ob Lisa, die in der Wohnung direkt über ihnen wohnt, nicht recht hatte – was sich jetzt zu bestätigen scheint.
“Na, hör mal, sonst passiert hier auch nie was. Und Lisa wohnt im ersten Stock, die kämen eh erst zu uns ins Erdgeschoss. Die Treppe knarrt ja auch dermaßen laut, dass man gar nicht unbemerkt in die oberen Stockwerke kann. Und nachts machen wir ja zu. Aber es ist echt unpraktisch, auch tagsüber dauernd abzuschließen. Gerade für euch mit Mia, die immer rein und raus rennt”, verteidigt Thea die unabgeschlossene Haustür und alle, die sie tagsüber immer offenlassen, “na, und noch wissen wir ja gar nicht, was der wollte. Vielleicht gibt es eine ganz einfache Erklärung.”
“Fällt dir eine ein?” Dennis guckt sie zweifelnd an.
“Na, vielleicht hat der ganz früher hier mal gewohnt, damals was im Keller versteckt und wollte sich das bloß wiederholen? Ein Einbrecher geht doch nicht in den feuchten Keller und sucht dort nach was Wertvollem, wenn es sieben Wohnungen in dem Haus gibt, mit Türen, die nicht wirklich gut verriegelt und verrammelt sind.”
“Ja, das habe ich mal ein einem Film gesehen, da hat auch einer was in der Küche hinter den Kacheln versteckt…”, mischt Mia sich ein, aber wird von den Erwachsenen nicht wirklich beachtet.
“Was soll der denn da versteckt haben?!” Dennis schüttelt vehement den Kopf. Er hält das für eine bescheuerte Erklärung. Oder? Ihm kommen Zweifel. Er denkt wieder dran, dass er immer schon mehr über dieses Haus in Erfahrung bringen wollte und ärgert sich, dass er das nicht schon längst getan hatte. Wer weiß, welche Geheimnisse sich um dieses Gebäude ranken!
Er will gerade Thea seine Gedanken mitteilen, als er von treckerartigen Geräuschen, die vom dieselbetriebenen alten Auto von Bud kommen, abgelenkt wird.
Bud kommt mit seinem alten Daimler um die Ecke gebrettert, bremst scharf und springt aus dem Auto, soweit sein gewaltiger Bauch das zulässt.
“Irgendwann klemmt er noch fest zwischen Lenkrad und Sitz”, denkt Thea gehässig, während Bud in großen, ausladenden Schritten auf sie zu kommt. Er wohnt mit seinem Freund Horst in der ersten Etage, direkt über Dennis.
“Hey, alles in Ordnung? Mir kam ein Notarztwagen entgegen, der schien hier aus der Richtung unseres Hauses zu kommen! Was passiert?”, fragt er aufgeregt. Wenn er erregt ist, rutscht seine sonst tiefe Stimme immer eine Oktave höher. Sein Freund Horst meint immer, Bud könne auch Tenor singen, wenn er denn überhaupt mal anfangen wollte, zu singen. Aber Bud will nicht singen, auch wenn er es natürlich könnte. Und Bud heißt eigentlich auch Martin, aber seit seiner Jugendzeit nennen ihn alle Bud Spencer. Er selbst hält den Spitznamen mit gewissem Stolz aufrecht und sorgte selbst dafür, dass er ihn bis jetzt trägt.
Dennis erzählt ihm ausschweifend, was passiert ist und sucht dabei nach Worten, das Unfassbare würdig zu beschreiben. Thea beobachtet ihn ungeduldig. “Puh, muss er immer so langsam und umständlich reden?”, denkt sie genervt und muss sich zurückhalten, ihm nicht dauernd ins Wort zu fallen, und seine Sätze an seiner statt zu beenden. Irgendwann hatte ihre Tochter Johanna eine Sprachnachricht von Dennis über ein Programm doppelt so schnell ablaufen lassen, und siehe da, die Stimme klang dann zwar doppelt so hoch, aber das Sprachtempo schien endlich normal.
“Wenn Dennis doch auch so einen Knopf hätte, an dem man den Ton schneller drehen könnte”, fährt es Thea durch den Kopf, während sie ungeduldig den Mund auf- und zuklappt, und ihm am liebsten ins Wort fallen würde.
Sie mag Dennis eigentlich, sie weiß ja, wie sehr er immer von Zweifeln gebeutelt ist, und dass er auch darum seine Worte immer genau wählt – er könnte ja ein falsches benutzen -, aber seine langsame Art macht sie wahnsinnig. Dennis spürt Theas Ungeduld.
“Ach, erzähl du weiter!”, blafft er sie verletzt an, was Thea sofort eloquent tut, wenn auch mit einem schlechten Gewissen ihm gegenüber.
Bud hat sofort Lösungen parat und legt den anderen seinen Plan dar:
Man würde jetzt als erstes in den Keller gehen und dort alles durchsuchen – und dabei auf herunterkommende Steine achten -, dann im Krankenhaus anrufen und fragen, wann man den Mann dort besuchen dürfe, dann diskutiert er mit sich selbst, ob man die Polizei rufen solle, entscheidet sich aber dagegen. Thea fängt dabei in erster Linie die Idee auf, dass man im Keller geht und versucht herauszufinden, was der Mann gesucht haben könnte und wartet ungeduldig, bis Bud endlich seine Planerläuterung beendet hat. Bud kann anpacken, aber ohne ausschweifende Selbstdarstellung und die Chefrolle übernehmen geht es nicht. Sie muss warten, bis er soweit ist, mit in den Keller zu kommen, wenn sie seine Unterstützung will. Und die will sie, sie macht alles lieber im Team.
Zu viert steigen sie in den Keller hinunter. Mia drückt sich dabei immer an ihren Vater, ist aber hoch aufgeregt und möchte in keinem Fall oben warten! Als erstes untersuchen sie die Stelle, an der der Stein aus der Mauer gefallen ist und finden eine armselige kleine Brechstange, die nicht nach einem Profi-Einbrecher aussieht.
“Müssen wir nicht schon aus versicherungstechnischen Gründen besser die Polizei rufen? Nicht, dass wir oder der Vermieter verantwortlich gemacht werden für den Unfall?”, fällt Dennis dann siedend heiß ein.
“Dennis, da hast du völlig Recht! Bravo, da habe ich noch gar nicht dran gedacht.”, entfährt es Thea.
Bud ändert sofort seinen Plan und bezieht die Polizei dabei mit ein. Innerhalb kurzer Zeit wird jeder denken, er wäre Urheber der Idee gewesen, dass man die Polizei verständigen müsse. Dennis kennt das, dass am Ende immer andere die Lorbeeren einheimsen, die eigentlich ihm gebühren. Das ist wohl sein Schicksal.
“Wir müssen ja nicht gleich Anzeige erstatten. Nur wenigstens alles zu Protokoll bringen”, entscheidet er. Thea und Dennis nicken. Mia guckt von einem zum anderen und nickt dann auch. Thea lächelt sie an und gibt Mia zu verstehen, dass sie als Mit-Entscheidungsträger in der Gruppe akzeptiert ist. Mia strahlt.
“Ok, dann gehe ich heute Nachmittag gleich hin, den einen auf der Polizeiwache kenne ich auch, mit dem habe ich schon zusammen im Sportclub geboxt”, entscheidet Bud.
“Du hast mal geboxt?”, fragt Dennis erstaunt.
“Sollten nicht eher Dennis und ich gehen, wir haben den Typen hier schließlich gefunden?”, übergeht Thea Dennis Frage. Ist ihr doch egal, ob Bud mal geboxt hat. Er soll angeblich auch mal schlanker gewesen sein. Entscheidend für sie ist nur, dass beides seit langem nicht mehr der Fall ist.
“Wie hält Horst es bloß seit Jahren so aufopferungsvoll mit ihm aus, in dieser verkorksten, ungesunden Beziehung”, denkt Thea zum wiederholten Male und sieht Bud unwillig von der Seite an. Vor fünf Jahren ist Horst bei Bud eingezogen, ziemlich Knall auf Fall, nachdem sie sich über das Internet kennengelernt hatten und ein Paar geworden waren.
Dennis und Thea machen aus, dass sie gegen 16 Uhr zur Wache nach Caldenburg fahren, wenn Anna, Mias Mutter, wieder da ist. Bud segnet die Abmachung ab, bietet den beiden noch an, sie hinzufahren. Aber beide wollen lieber das Rad nehmen, auch wenn das Wetter nass-kalt ist.
Sie untersuchen noch einmal den Keller. Der Stein musste schon lange sehr locker gewesen sein, der Mörtel ist völlig abgebröselt und liegt verteilt auf dem Boden. Es war auch nicht der einzig lose Mauerstein. Die Frage drängt sich ihnen auf, ob eine Versicherung das hier wirklich sehen sollte. Eigentlich müsste der Vermieter dringend was machen – aber erstmal mussten sie hier jeden Stein umdrehen. Sie versuchen, weitere Steine zu lockern, wobei sich tatsächlich automatisch auch andere Steine lösen.
“Genau so musste es passiert sein: der Typ hatte unterhalb an den Steinen geruckelt und dann von oben einen auf den Kopf bekommen, der sich dadurch gelöst hatte”, sagt Thea.
“Das spricht für die Theorie, dass er tatsächlich etwas hinter den Steinen gesucht hat…”, überlegt Dennis.
“Genau! Und deswegen suchen wir so lange, bis wir was gefunden haben! Ich hole eine anständige Brechstange, die hier von dem Typen ist viel zu klein.” Bud will in seinen Werkzeugkeller.
“Nein, warte doch mal!”, hält Thea ihn auf, “wir können doch jetzt hier nicht alle Steine entfernen! Da fällt ja alles zusammen. Wir sollten erstmal wissen, was wir eigentlich suchen. Und dafür müssen wir den Mann befragen.”
“Wenn der uns was sagt…”, gibt Dennis zu bedenken.
“Wird er, da bin ich sicher.” Thea sieht den Mann wieder vor sich. “Er sah eigentlich nicht nach einem Verbrecher aus, eher nach einem verpeilten Intellektuellen, der zu blöd war, einen Stein in einer Mauer zu lösen, ohne dass ihm ein anderer auf den Kopf fällt”, denkt sie.
Nachdem sich sogar Bud überzeugt hat, dass man vielleicht doch erst andere Schritte gehen sollte, ehe man den gesamten Keller mit der Brechstange auseinandernimmt, verlassen sie den Keller. Während Thea und Dennis noch im Hausflur stehen bleiben, geht Bud an sein Auto und holt Unmengen an Weihnachtsdeko heraus. Seine Mutter ist letzten Monat in ein Seniorenheim gekommen und Bud räumt gerade noch die letzten Sachen aus der alten Wohnung. Als er einen großen Obstkarton voll mit verknoteten Lichterketten aus dem Kofferraum hievt, hört man die Stimmen von Lisa und Horst auf der anderen Seite des Hauses.
***
Lisa und Horst sind gleichzeitig jeweils von ihrer Arbeit zurückgekommen und gehen zu Fuß über den Schotterweg, der zu ihrem Wohnhaus führt.
“Ey, es war so anstrengend, als ich versucht habe, dieses Regal in der Praxis hochzuwuchten, das dabei fast auseinanderfiel, das kannst du dir nicht vorstellen!”, hört man Lisas aufgeregte Stimme. Lisa schiebt ihr Rad neben Horst her. Das Haus steht recht einsam und etwas entfernt von einer Landstraße, die aus der Kleinstadt Caldenburg herausführt. Da es mal ein Bahnhofsgebäude war, gab es ursprünglich zwei Eingänge, vorn und hinten. Jetzt ist aber nur noch der hintere Eingang, hin zu den ehemaligen Schienen, benutzbar. Das große Bahnhofstor an der Vorderseite ist umgestaltet zu einem großen Fenster aus mosaikartig zusammengesetzten Glasscherben. “Da hatte sich ein minderbemittelter Künstler wohl versucht und danach dann seine Karriere lieber geschmissen”, lästert Lisa immer. Nur die kleine Mia findet das Fenster toll, durch das sich die Sonne auf dem Boden des Hausflurs wie durch ein Kaleidoskop bricht.
Während Bud mit seinem Daimler-Benz immer über den Schotterweg brettert und sogar immer um das Haus herumfährt, obwohl er dabei zum Teil die Wiese queren muss, die das Haus weitläufig umgibt, parkt Horst sein Auto immer etwas weiter weg an der Landstraße, um eben den Schotterweg bis zum Haus zu meiden.
“Mein Auto ist eben schon etwas klapprig, wie sein Fahrer”, pflegt er zu sagen und damit zu kokettieren, dass er mit seinen 62 Jahren der Methusalem von “Schloss Hurra” ist. Vor allem hatte er aber seinen alten Alfa Romeo 147, Baujahr 1999, so tief gelegt, dass es diesen Holperweg auch vor 12 Jahren nicht ohne Unterbodenschaden überstanden hätte.
Horst hört Lisa verständnisvoll zu.
“Wenn du Hilfe bei der neuen Einrichtung deiner Praxis brauchst, dann musst du Bescheid sagen. Ich….”, setzt Horst an.
“Nein, nein, Horst, das ist total lieb von dir, aber das brauchst du wirklich nicht. Mein Praxiskollege Klaus wird mir helfen. Wenn er schon von der geringen Miete profitiert, indem er sich bei mir in den Büroräumen eingenistet hat…“.
“Doch, wirklich, Lisa, du musst nur Bescheid sagen! Morgen komme ich einfach und…”, setzt Horst wieder an.
“Nein, wirklich Horst, alles gut, ich danke dir, aber Klaus wird mir morgen helfen. Punkt.”, würgt Lisa Horst ab.
Horst guckt etwas beleidigt.
Hinter ihnen hört man den Kies unter schnellen Fahrradreifen knirschen und beide weichen unweigerlich aus und rempeln sich dabei so an, dass Horst fast das Gleichgewicht verliert.
“Mensch, Elias, kannst du nicht mal langsam fahren, wenn du an Leuten vorbeifährst? Du bist schlimmer als Bud mit seinem stinkenden Diesel!”, blafft Lisa Elias, Theas 12-jährigen Sohn, an.
“Ja, Mann, ist ja gut. Tschuldigung.”, nuschelt Elias, springt vom Rad und schiebt es schnell ein paar Meter vor den beiden her.
“Wo ist den Johanna?”, fragt Horst mit versöhnlicher Stimme nach Elias Schwester.
“Noch in der Schule. Hat noch Chor.”, antwortet Elias einsilbig. Er redet so sparsam wir möglich, wenn er keine Lust hat. Und auf Horst und Lisa hat er nun gar keine Lust. In dem Moment kommt Mia um die Ecke geflitzt.
“Elias, Elias, weißt du, was heute passiert ist?” und rennt schnurstracks auf den Jungen los, der nun ein kleines Lächeln zeigt. Mia vergöttert ihn und er findet sie süß. Aber nur manchmal, wenn er nicht gerade besseres zu tun hat. In jedem Fall hätte er lieber so eine kleine Schwester als eine wie Johanna, die drei Jahre älter ist: Eine Mia könnte er leichter herumkommandieren und manipulieren.
“Ne, weiß ich nich’. Was denn?”, fragt er sanft, aber nicht wirklich überzeugt, dass sie was Spannendes zu erzählen hat. Er erwartet sich wieder so eine Geschichte von diesem Kevin, der ein Mädchen aus einer Klasse unter ihm gemobbt hat oder sowas.
“Unten im Keller, da hat einer gelegen! Von einem Stein erschlagen!”, sprudelt Mia raus, “Aber nur ganz kurz, dann ist er wieder wach geworden und Papa hat den Krankenwagen gerufen und erste Hilfe gemacht.”
Nun wird Elias ganz aufgeregt und starrt sie mit großen Augen an. Lisa und Horst werden auch hellhörig und alle scharen sich um das Kind.
“Mia, was faselst du dir da zusammen?”, fragt Lisa barsch, “das klingt wie eine Räuberpistole, da hast du doch sicher was erfunden!”
“Mia, der Reihe nach. Was ist passiert?”, fragt Horst mit mildem Tonfall nach.
“Hab’ ich euch doch schon gesagt!”, wird Mia ungeduldig, „dass Erwachsene auch immer so schwer von Kapee sind!“
Elias wartet nicht länger ab, schmeißt sein Rad hin, stürmt ins Haus und drückt die schwere Haustür auf. “Mama! Mama! Was erzählt Mia da? Was war da im Keller?”, brüllt er.
Im Hausflur stehen Thea, Dennis und Bud, der noch immer mit der Kiste mit den Lichterketten im Arm. Dann kommen auch Lisa und Horst herein. Thea erzählt lebhaft, was passiert ist. Dennis wirft selten einen Satz ein, bei Theas Sprechtempo kann er eh nicht mithalten. Als die Stelle kommt, wo Bud dazustößt, übernimmt dieser die Erzählung.
Die fünf Erwachsenen diskutieren hin und her, was denn nun am besten zu tun sei, stellen Hypothesen auf, was der Mann da unten wohl gesucht haben mag und wer er sein könnte. Elias unterbricht immer wieder aufgeregt und wird von Lisa zurechtgewiesen. Ein Zwölfjähriger hat in solchen wichtigen Fragen nicht seinen Senf dazuzugeben. Lisa selbst hat keine Kinder und mit 52 auch das Alter überschritten, wo sie das noch nachholen könnte. Aber das würde sie auch gar nicht wollen, es war ihre ganz bewusste Entscheidung gegen Kinder, das betont sie immer. Sie hatte sich nach der Beendigung hres Psychologiestudiums und der Eröffnung ihrer Praxis auch deutlich von Kindern als potenzielle Patienten distanziert. Sie behandele nur Erwachsene.
“Diese baustellenartige Gehirne von Pubertierenden sind einfach nicht mein Ding” hat sie Thea und Anna erklärt, “auch wenn ich die Kindheit meiner erwachsenen Patienten natürlich in der Diagnose immer mit einschließen muss.”
“Wir müssen in jedem Fall zur Polizei. Vielleicht kennen die den Typen ja sogar oder wissen, was der gesucht hat”, gibt Lisa nun zu Bedenken.
“Sollen wir nicht vorher noch ins Krankenhaus und den Typen ausfragen?”, schlägt Thea vor.
“Na, ich weiß nicht, lieber erst die Polizei verständigen!”, wirft Horst ein, “nicht, dass wir was verpassen. Die müssen hier ja auch Spurensuche machen und nicht, dass da vorher welche verwischt werden.”
“Wie denn? So wie Dennis das beschreibt, scheint der Typ dazu erstmal nicht in der Lage zu sein!”, entgegnet Bud und Dennis nickt zustimmend.
Lisa guckt zweifelnd: “Und wenn der aber einen Komplizen hat, der hier dann herkommt und das Werk vollendet?”
Alle gucken nachdenklich.
“Der hat bestimmt einen Komplizen!”, ruft Elias in die Stille.
“Schschtttt, Elias!”, fährt Lisa in an und bekommt einen bösen Blick von Thea, die es gar nicht gutheißt, wenn Lisa meint, sich in die Erziehung einmischen zu müssen, für die sie ihrer Meinung nach als kinderlose Frau nicht kompetent sei. Lisa wirft einen bösen Blick zurück.
“Ach, ich weiß nicht, irgendwie glaube ich das eigentlich nicht”, unterbricht Dennis das Blickgefecht der beiden Frauen, “aber ich finde auch, wir sollte möglichst bald die Polizei benachrichtigen. Ich muss aber warten bis Anna wieder zu Hause ist, wegen Mia”, fügt er hinzu.
“Wann kommt sie denn?”, fragt Bud ungeduldig, seinen Tatendrang nur schwer zähmend.
“Heute so gegen halb vier”, antwortet Dennis und sieht auf die Uhr, “also so in einer Stunde.
“Oooookey, warten wir!!”, seufzt Bud auf und bringt endlich den Karton mit den Lichterketten, die er die ganze Zeit auf seinem ausladenden Bauch platziert hatte, in seine Wohnung, gefolgt von Horst, der die herunterfallenden Birnchen einsammelt und die heraushängenden Schnüre hochhält, damit Bud nicht darüber stolpert und dabei die breite abgetretene Treppe hochfällt. Dennis zieht derweil die nörgelnd an ihm hängende Mia in die Wohnung, während Thea ihren Sohn Elias, der inzwischen schon so groß ist wie sie, nach draußen schiebt, damit er sein Rad holt, das noch, weiß-der-Himmel-wo, herumliegen muss. Es beginnt schon zu tröpfeln und ein Frühlingsregen kündigt sich an.
Kapitel 2 Nach dem Kriegsrat geht es auf die Wache
Fluchend und nass geregnet kommt Anna tatsächlich eine Stunde später zum “Schloß Hurra” geradelt und schiebt ihr tropfendes Fahrrad in den Flur, an dem von Elias vorbei, der seins zwar reingeholt, aber sich nicht damit in den Keller getraut hat.
“Grmpf, muss der Junge immer sein Rad im Flur stehen lassen! Es ist doch wirklich kein Akt, es eben runter in den Keller zu bringen!”, schimpft sie laut und dabei ist durchaus beabsichtigt, dass der Übeltäter Elias es hören möge. Oder wenigstens seine Mutter Thea. Weder Thea noch Elias hören sie, aber natürlich ihre Tochter Mia, die schon die ganze Zeit ungeduldig hinter der Wohnungstür gewartet hat. Sie reißt die Tür auf und stürzt auf ihre Mutter zu und wie eben bei Elias sprudelt es sofort aus ihr heraus. Bei dem Lärm hört jetzt auch Thea, dass Anna gekommen ist und offenbar hat auch Bud schon oben gelauert und kommt zusammen mit Horst sofort die Treppe herunter. Anna sieht alle verwundert an.
“Was ist das denn für ein Begrüßungskomitee?”, fragt sie in die Runde, während sie den wirren Erzählungen ihrer Tochter nur mit halbem Ohr zugehört hat.
Thea und Bud berichten, was passiert ist, diesmal kommt aber auch Dennis mehr zu Wort, da Anna ihn immer wieder fragend ansieht, um zu wissen, was ihr Mann für eine Rolle in der Geschichte gespielt hat. Sie nickt anerkennend.
“Toll, dass du sofort Erste Hilfe geleistet hast, Dennis!,” sagt sie, und als Dennis gerade erfreut lächeln will, fügt sie hinzu: “Bist du sicher, dass du alles richtig gemacht hast?” Dennis Lächeln erstirbt und er guckt zu Boden. “Ja ich denke schon, dass ich alles richtig gemacht habe!”, geht er in die Verteidigungshaltung.
Bestimmend fährt Anna zu den anderen gerichtet fort: “Wir sollten in jedem Fall als erstes die Polizei informieren, beziehungsweise Thea und Dennis sollten das, und danach dann sofort ins Krankenhaus, den Mann aufsuchen. Und das alles am besten gleich noch heute!”,
“Zumindest die Polizei noch heute…” ergänzt Thea.
Als nun also alle endlich beschließen, dass Thea und Dennis sofort zur Wache losfahren sollten, entbrennt eine Diskussion, auf welche Art und Weise. Bud wiederholt, dass er die beiden fahren würde, worauf aber weder Dennis noch Thea Lust haben, die ihrerseits insistiert, dass sie am liebsten das Fahrrad nähme, weil ihr Auto in der Werkstatt sei. Dennis merkt an, dass er auch ein Auto besitze, wird aber von Anna unterbrochen, die ihn darauf hinweist, dass sie das brauche, um Mia gleich zum Ballettunterricht zu bringen.
“Solange er noch stattfindet!”, ergänzt sie, mit Hinblick auf die angedrohten Schließungen aller Institutionen. Dennis zuckt in sich zusammen. Dieses Corona-Virus, das im Dezember das erste Mal in China aufgetaucht ist und sich inzwischen längst nach Europa durchgeschlagen hat, macht ihm Angst, aber noch mehr macht ihm die Angst davor Angst.
Dann meldet sich Horst, der vorschlägt, dass er doch sowieso noch ins Kulturzentrum müsse und die beiden doch einfach mitnehmen könne. Das findet allgemein Zustimmung, außer Mias, die quakt, dass sie aber mit wolle zur Polizei, schließlich sei sie auch dabei gewesen.
Während Thea noch schnell ihre Ausweispapiere holt, Elias gezwungen wird, sein Fahrrad in den Keller zu bringen, zerrt Anna ihre heulende protestierende Tochter durch ihre Wohnungstür. Dennis und Horst gehen mit Regenschirmen ausgestattet schon zur Straße zu Horst Auto, begleitet von Bud, der nur schwer das Ruder aus der Hand geben kann. Lisa verschwindet im ersten Stock, froh, dass sie nicht so ein schreiendes Balg wie Mia hat, das man noch durch die geschlossene Tür von Annas und Dennis Wohnung hört.
“Also, wie gesagt, der Polizeihauptmann Juri ist ein alter Kumpel von mir, wir waren früher im Boxverein…”, setzt Bud an.
“Was für ein Boxverein eigentlich? In Caldenburg gibt es doch gar keinen,” unterbricht Dennis ihn.
“Nee, der in Eichenhof. Aber den gibt es heute auch nicht mehr; – den haben die 2011 dicht gemacht. Darum habe ich dann auch aufgehört, man hätte sonst so weit fahren müssen, da hatte ich keinen Bock drauf”, erzählt Bud weiter, “ob….”.
“Hätte dir aber gutgetan”, unterbricht Thea ihn, die gerade zu den beiden stößt, “das soll ein Sport sein, wo man richtig Kalorien verbrennt, habe ich mir sagen lassen”.
“Ob…”, setzt Bud seinen unterbrochenen Satz laut betonend und mit bösem Blick auf Thea fort, “…Juri heute noch boxt, weiß ich nicht. Wir haben danach etwas den Kontakt verloren.”
“Naja, dann bin ich ja mal gespannt auf den Hauptoberpolizist”, grinst Dennis, “wenn wir den überhaupt zu sehen bekommen, darum wird sich doch sicher ein kleiner Beamter kümmern, kaum der Chef selbst.”
“Ganz sicher nicht!”, lacht Thea, die sich wieder dran erinnert, dass es nicht ungefährlich ist, Bud so zu provozieren.
“So kommt, wir müssen los. Es ist schon fast 17 Uhr, ewig wird die Wache auch nicht mehr aufhaben!”, drängelt nun Horst, und bald sitzen die drei in dem alten Alfa Romeo, der bei dem Gewicht von drei Leuten noch mal ein Stück tiefer sackt. Thea bleibt gleich mit dem Knie hinten an einer herausragenden Sprungfeder der Lehne des Fahrersitzes hängen, Dennis sackt vorn so tief in die durchgesessenen Polster, dass er sich fragt, ob jemand wie Bud da ohne fremde Hilfe wieder herauskommt. Dann aber geht der kleine Alfa richtig ab und Dennis und Thea klammern sich in jeder Kurve überrascht fest.
Direkt vor der Polizeistation von Caldenburg lässt Horst die beiden aussteigen. Der Regen hat inzwischen nachgelassen.
“Am besten kommt ihr danach, wenn ihr fertig seid, rüber ins Kulturzentrum. Lange habe ich dort nicht zu tun.”, sagt Horst und fährt weiter zum Kulturzentrum von Caldenburg, das fußläufig 10 Minuten von der Wache entfernt liegt und von dem Horst der Vorsitzende ist. Seit 20 Jahren schon engagiert er sich für die Kultur und die Musikszene in der Kleinstadt. Horst ist der große Kümmerer. Wenn es was zu tun oder zu helfen gibt, ist er an erster Stelle. Engagiert, empathisch und immer mit ganzem Herzen bei der Sache. Wenn man aber gar keine Hilfe braucht, wird es anstrengend, weil Horst das nur schwer akzeptieren kann.
Thea und Dennis drücken gegen die Tür der Polizeistation. Geschlossen.
“Mist!” murmelt Thea.
“Hätte man sich ja fast denken können. Das sind Beamte; – um fünf nachmittags fällt der Hammer”, brummelt Dennis und denkt daran, wie oft er als Angestellter eines großen Unternehmens Überstunden macht und seine Frau Anna als Selbstständige sowieso.
“Wir haben aber erst halb fünf”, moniert Thea.
“Vielleicht sind die schon im angekündigten Lockdown, wie die Theater”, versucht Dennis zu scherzen und versucht dabei, seine Angst vor den seltsamen Ereignissen und der bedrohlichen Krankheit zu unterdrücken. Im Dezember letzten Jahres hatte man das erste Mal von diesem Virus in China gehört. Seitdem breitet er sich offenbar unaufhaltsam in der ganzen Welt aus.
Ratlos stehen die beiden vor der Tür und sehen sich an. Dann drückt Thea aus einer spontanen Eingebung beherzt den Klingelknopf. Es muss doch eine Art Notdienst der Polizei auch auf der Wache geben und das hier ist ein Notfall! Dennis guckt etwas unsicher, aber dann denkt auch er, dass das eine gute Idee sein kann. Sie hören, wie der Schlüssel sich im Schloss dreht. Es ist ein altes Gebäude und die Tür ist aus massivem Holz. Knarrend geht sie auf, ein Mann, der den beiden mindestens 2 Meter groß vorkommt, mit Vollbart und dichtem grauen Haar steht in Uniform vor ihnen. Thea schluckt, als sie den fragenden Blick der durchdringenden Augen auf sich spürt.
“Puh, was für eine Erscheinung!”, denkt sie beeindruckt und fühlt sich etwas eingeschüchtert. Auch Dennis ist eingeschüchtert, das ist aber bei ihm aber nicht so ungewöhnlich. Eigentlich weiß Dennis, dass er das nicht nötig hätte, aber wie er an allem immer zweifelt, zweifelt er auch an sich ununterbrochen.
“Ja, was kann ich für Sie tun?”, kommt eine tiefe sonore Stimme aus dem großen Mann.
“Äh, ja also, wir haben was Wichtiges zu melden. Wir haben einen Mann in unserem Keller gefunden, der von einem Mauerstein erschlagen wurde”, sprudelt Thea raus.
“Mein Gott, was erzähl‘ ich für einen Schwachsinn, dass muss er doch jetzt völlig falsch verstehen!”, denkt Thea über sich selbst entsetzt. Sie ist ja sonst nicht auf den Mund gefallen.
Der Polizist hebt amüsiert die Augenbrauen. Da die beiden Gestalten vor ihm relativ gefasst und unaufgeregt wirken, kann alles nicht so schlimm sein, denkt er sich wohl.
“Na, dann kommen Sie mal rein und erzählen Sie”, fordert er die beiden freundlich auf und hält ihnen die Tür, die dann krachend ins Schloss fällt, als der Polizist sie loslässt, nachdem die beiden durchgegangen sind. Beide fahren in sich zusammen und es hat was von “in die Falle gegangen zu sein”.
Dennis fühlt sich, als ob eine schwere Gefängnistür hinter ihm ins Schloss fällt. Er zieht unweigerlich den Kopf etwas ein. Er ist im Moment sowieso in so einer verunsicherten Lebenssituation mit den ganzen Geschehnissen in China, jetzt in Europa. Es gab bereits den ersten Coronafall in Niedersachsen, in NRW waren schon zwei alte Menschen daran gestorben, heißt es! Er fragt sich, ob das Tragen von Masken wie die Chinesen das tun, nicht sinnvoll wäre. Überhaupt empfindet er das alles so seltsam, was da in China passiert ist.
Der Polizeibeamte, der sich ihnen als Hauptkommissar Juri Wolkow vorstellt, also tatsächlich Buds Boxspezl aus alter Zeit, führt sie in das Amtszimmer.
(…)
***
Sie finden Horst im kleinen Büro, wo er mit der Sekretärin gerade über die geschlossenen Theater und abgesagten Großveranstaltungen diskutiert.
“Ein Supergau für die Kunst! Hoffentlich kann unser kleines Osterfest überhaupt stattfinden!” jammert Horst.
“Da mach dir mal keine allzu großen Hoffnungen”, unkt Sarah, die 1/4 Stellen-Sekretärin des Vereins.
“Aber Ostern ist in nicht mal einem Monat! Das werden wir ja wohl noch hinkriegen”, erwidert Horst.
“Abwarten…” hören Dennis und Thea Sarah gerade antworten, als sie die Tür aufdrücken.
Horst sieht sie sofort hoch erregt an.
“Und? Was hat die Polizei euch gesagt? Was haben die rausgekriegt?” platzt es aus ihm heraus.
“Naja, nicht viel. Alexander Westerfeld heißt der Mensch und ist kein gesuchter Verbrecher”, erklärt Thea trocken.
Sie erzählen Horst und Sarah, die natürlich auch schon Bescheid weiß, von ihrem Besuch bei ‚Oberhauptkommissar Wolkow‘, der in ihren Ausführungen längst respektlos zu ‚Juri‘ geworden ist, als ehemaliger Boxkumpane von Bud.
“… und dann hat Juri beim Krankenhaus angerufen!”, führt Dennis Theas Erzählung weiter.
“Ja, klar, das macht Sinn! Die Polizei wird ja auch Auskunft bekommen!”, fällt Sarah ihm ins Wort, “Und?” Sarah guckt erst Dennis, dann Thea erwartungsvoll an.
“Also, dem Typen geht es wohl soweit gut, er ist offenbar vernehmungsfähig und Juri fährt heute Abend noch ins Krankenhaus – er ist sicher auch gespannt, was der zu erzählen hat! Ja, und viel mehr konnte Juri uns auch nicht sagen”, fügt Thea leiser und mit bedauernd-zuckenden Schultern hinzu.
“Wie, mehr habt ihr nicht erfahren? Nicht, wer der Typ genau ist, oder so?”, bohrt Horst fassungslos nach.
“Nein, nur noch, dass es sich bei dem Typen nicht um jemanden handelt, der in der polizeilichen Kartei irgendwo auftaucht. Nicht mal wegen Ordnungswidrigkeiten.”
“Das hat Juri gar nicht gesagt, das mit den Ordnungswidrigkeiten.”, verbessert Dennis Thea, die ihre Geschichten immer gern etwas ausschmückt.
“Naja, so ähnlich. Das hat uns Juri aber auch alles wohl nur verraten, damit wir uns keine Sorgen machen, dass es da Komplizen geben könnte, oder ein größeres Verbrechen zu vermuten ist.” Man merkt Thea an, dass sie selbst am meisten bedauert, nicht mit einer tollen Geschichte aufwarten zu können.
”Ach ja, und wir haben von einer Anzeige erst einmal abgesehen. Wir können das ja noch besprechen. Jetzt erstmal macht der Typ nicht den Anschein eines Schwerverbrechers. Juri hat uns im Prinzip dazu auch geraten – also, ich meine abgeraten, sofort eine Anzeige zu machen. Wir sollten jetzt aber endlich nach Hause fahren, die anderen warten auch schon auf Nachrichten, wir müssen sie vor allem beruhigen, dass von dem Typen wohl keine potenzielle Gefahr ausgeht. Anna rufe ich gleich schon vom Auto aus an”, sagt Dennis.
Als die drei im Schloss Hurra ankommen, strömen alle im Hausflur zusammen, sogar Lisa, die sich sonst immer einsiedlerisch zurückzieht, kommt die knarrenden Stufen aus dem ersten Stock zu dem Grüppchen herunter, das sich am Fuße der Holztreppe versammelt. Die Kinder, einschließlich Mia im Schlafanzug, sitzen auf der untersten Stufe, während die Erwachsenen im Halbkreis um sie herumstehen. Alle sind enttäuscht, dass Thea und Dennis so wenig Informationen von der Polizei mitbringen.
“Alexander Westerfeld, nie gehört”, grübelt Anna, “wer das ist, hat er euch nicht gesagt, dieser Juri?”
“Er muss euch doch mehr Infos gegeben haben! Er ist doch sonst nicht so!” Bud ist fassungslos.
Alle fixieren Thea und Dennis, die immer nur vehement den Kopf schütteln.
Keiner achtet auf Lisa, die bei dem Namen in sich zusammengezuckt ist, aber nichts sagt. Wie immer, wenn mehrere Menschen zusammenstehen, zieht sie sich zurück und beobachtet wie aus der Ferne.
“Hättet ihr nicht mit Juri ins Krankenhaus fahren können?”, fragt Johanna verzweifelt, Theas 15jährige Tochter und rutscht auf der Treppenstufe hin und her, dabei ihren Bruder neben sich anrempelt, der sich mit einem Boxer in ihren Oberarm revanchiert, wobei Mia fast von der Treppe rutscht und sich nun an Elias klammert.
“Ne, natürlich nicht, aber vielleicht können wir ja morgen einfach ins Hospital? Was denkt ihr?”, fragt Thea in die Runde. Alle nicken zustimmend.
“Ich kann morgen nicht, ich muss zu mehreren wichtigen Kundengesprächen. Unter anderem zu einem großen Unternehmen in Eichenhof, das ich unbedingt als Klienten gewinnen will”, winkt Anna bedauernd ab.
“Vielleicht sollten eh nur die beiden hin, die den Typen gefunden haben?”, fragt Horst.
“Ne ne, wir sind alle betroffen, schließlich ist der in unser aller Haus eingebrochen!”, ereifert sich Bud und Lisa nickt zustimmend und macht einen Schritt nach vorn auf die Gruppe zu.
“Aber von ‘einbrechen’ kann schwerlich die Rede sein, bei einer Tür, die von morgens bis abends sperrangelweit offensteht!”, moniert sie vorwurfsvoll. Dieser Umstand ist ihr immer schon ein Dorn im Auge gewesen und nun hat man den klaren Beweis, dass sie recht hatte.
“Ich werde morgen Vormittag gehen,” verkündet Thea fest und denkt gehässig: “Morgen Vormittag kann Bud nicht, das weiß ich. Wer sonst noch mitkommt, ist mir wurscht. Hauptsache, der nicht – dieser Idiot mit seinem Bud Spencer Hau-drauf Syndrom!”
Da sie freie Wissenschaftsjournalistin ist, kann sie sich ihre Zeit weitgehend einteilen.
“Morgen Vormittag kann ich aber nicht!”, poltert Bud auch prompt los.
“Ok, schade, aber egal,” heuchelt Thea Bedauern, von dem jeder, einschließlich Bud, weiß, dass sie es nicht empfindet, “aber nachmittags kann ich dann nicht, und ich sollte ja in jedem Fall mit von der Partie sein.” Dann zu Dennis gewandt: ”Und du, wie sieht es bei dir aus?”
“Ja, ich könnte eventuell so gegen 9h. Um 11h müsste ich dann aber im Labor sein.”, überlegt Dennis laut.
“Das passt!”, bestimmt Thea. Sie guckt fragend in die Runde.
“Mh, ich könnte eventuell mitkommen”, murmelt Lisa. Alle sehen sie erstaunt an. Damit hat keiner gerechnet, denn Lisa hält sich gewöhnlich aus allem raus.
“Ja, klar, warum nicht?”, antwortet Thea und das ist diesmal nicht gespielt. Sie hat nichts dagegen.
“Anna, kann Dennis euer Auto morgen haben?”, fragt Thea. Diese nickt.
“Ja, ich nehme morgen den Zug zu meinen Kunden, Dennis muss mich dann nur um 8h zum Bahnhof nach Caldenburg bringen, nachdem wir Mia zur Schule gebracht haben.”
“Ok, dann ist es beschlossene Sache: morgen gegen neun Uhr fahren Thea, Lisa, Dennis ins Krankenhaus. Ich kann leider auch nicht, dabei hätte ich euch wirklich gern gefahren”, fasst Horst für alle zusammen und wirft einen unsicheren Seitenblick auf seinen Freund Bud, der finster den Mund verzieht, als kaue er auf einer Zitronenschale herum.
“Oh Gott, der arme Horst muss das heute Abend ausbaden”, denkt Thea mitleidsvoll. Aber sie hat Bud wirklich nicht dabeihaben wollen.
Der Kriegsrat wird aufgelöst und alle verschwinden in ihren Wohnungen.
Anna flüstert Thea vorher noch schnell zu: “Ich komme gleich mal rüber, ja? Wenn Dennis Mia ins Bett bringt”. Thea nickt zustimmend. Anna und Thea sind befreundet, aber nicht erst, seit Anna und Dennis dort vor drei Jahren eingezogen sind, sondern schon darüber hinaus. Die beiden haben über Thea damals erfahren, als im Schloss Hurra eine Wohnung ihr gegenüber frei wurde.
“Was Anna wohl will? Ob was mit Dennis ist? Oder mit Mia? Oder will sie bloß meine Sicht des heutigen Ereignisses wissen?” fragt sich Thea, während sie die Wohnungstür hinter sich und ihren beiden Kindern Johanna und Elias schließt, “und warum wohl Lisa mitwill?
Kapitel 3: Anna macht sich Sorgen um Dennis
Gegen 19 Uhr klopft es leise an Theas Tür. Elias brüllt aus seinem Zimmer:”Mamaaa, jemand ist an der Tür!”
Thea, die gerade an seiner weit offenstehenden Tür vorbeigeht, fallen fast die Ohren ab und sie fährt in sich zusammen.
“Ja, habe ich gehört, brüll’ doch nicht so!”
Sie öffnet und Anna schlüpft durch die Tür. Zwar ist Dennis am Mittwoch damit dran, Mia ins Bett zu bringen, dennoch kann sie dann schwer das, was sie ihre Mutterpflicht nennt, loslassen.
“Na, welche Geschichte liest Dennis Mia heute Abend vor?”, fragt Thea, um Anna aus ihren Sorgen zu holen, dass ihre Tochter nicht das bekäme, was sie braucht.
“Schon wieder ‘Puh hier stinkt’s’, dieses dämliche Buch von der Spitzmaus, die Panther-Pupu am Geruch erkennt. Ich versuche immer, das Kind von jeder deutschen Analfixiertheit wegzuholen, und dann liest ihr Dennis dauernd dieses Buch vor und Mia lacht sich jedes Mal kringelig!”, schimpft Anna los.
“Anna, Kinder finden alles witzig, was mit Kacke, A-ah und Pupu zu tun hat. Dennoch wird aus den meisten etwas Anständiges, wenn sie älter werden”, versucht Thea sie zu beruhigen und weiß bereits, dass es nichts bringen wird.
“Hast du je ein französisches Kind kichernd durch die Gegend rennen sehen und laut kichern rufen: ‘crottes, crottes, crottes’? Dieses K… freude ist meiner Meinung nach typisch für deutsche Kinder und man muss es nicht auch noch fördern!”
“Anna kann das Wort Kacke nicht mal selbst aussprechen”, denkt Thea und fragt sich, wie sie ihre Freundin ablenken kann. Aber Anna ist bereits in Fahrt und während sie noch Richtung Wohnzimmer geht, um sich dort auf die Couch zu setzen, vor der bereits eine Kanne Tee auf dem Stövchen steht und auf sie wartet, redet sie sich weiter in Rage.
“Guck dir allein diese Hamsterkäufe der Deutschen an, mit denen sie sich gerade in der ganzen Welt lächerlich machen! Alle ausländischen Zeitungen berichten hämisch von den analfixierten Deutschen, die Klopapier horten, als wäre das das wichtigste zum Überleben einer Krise. Fotos von leeren Toilettenpapierregalen in Deutschland gehen um die Welt.”, schimpft Anna und greift zu der Teetasse, die Thea ihr reicht.
“Naja, aber auch von den Franzosen, die mit Wein beladenen Caddies und Italienern mit Nudeln aus den Läden kommen”, versucht Thea zu vermitteln, während sie sich selbst auch eine Tasse einschenkt.
“Noch schlimmer! Wenn das zeigt, was jeder Nation am wichtigsten ist, dann armes Deutschland!” Anna nippt an ihrem Tee und verzieht das Gesicht, weil er zu heiß ist.
Thea lenkt wieder ab: “A propos, mein Problem ist übrigens, dass ich nicht zu den Hamsterern gehöre und seit Tagen versuche, irgendwo noch eine einzige Klopapierrolle zu finden. Wir sitzen hier mit der letzten und ich habe schon Taschentücher ins Bad gelegt. Habt ihr noch ein oder zwei Rollen für uns?”
Anne stellt die Tasse mit dem zu heißen Tee ab. “Ja, massenhaft! Als Dennis gesehen hat, welche Mengen andere Menschen aus dem Supermarkt rausschleppen, hat er panisch vorletzte Woche alle verbleibenden Rollen erst aus dem einen Laden, dann sogar noch aus einem anderen geholt! Da ist da er extra noch rumgefahren! Wir haben jetzt irgendwie sieben Packungen mit je 10 Rollen. Wir überleben vielleicht nicht Corona, aber sicher jede Durchfallepidemie.”
Thea lacht laut auf und verschüttet fast den Inhalt ihrer Tasse: “Zumindest verlierst du nie deinen Humor!”. Dann wieder ernster: “Aber Anna, nun sag, was ist los. So ein spontaner Besuch am Abend ist nicht typisch für dich.”
“Thea, ich mache mir wirklich Sorgen um Dennis. Diese Klopapier-Kaufaktion könnte eine lustige Anekdote sein, aber was mir Sorgen macht, ist, was bei ihm gerade innerlich abgeht. Er ist wirklich in so einer Angst gefangen. Er liest alles durch, was mit dem Ursprung des Virus zu tun hat, anstatt einfach zu überlegen, wie wir uns schützen können. Auch mir macht das Angst, dass wir nicht wissen, was dieses Virus wirklich mit unserer Gesundheit macht, die Berichte aus Bergamo und Norditalien versetzen uns alle in Panik. Mich auch, so cool bin ich nicht.”
“Nein, ich auch nicht, Angst macht einem das schon, aber ich glaube, Panik ist fehl am Platze…”, antwortet Thea ernst. Auch ihr ist der Tee zu heiß, aber sie behält die Tasse in der Hand. Sie hat eh eine differenziertere Meinung zu dem Thema, vielleicht bedingt durch ihre Arbeit als Wissenschaftsjournalistin, wo sie sich aus vielen unterschiedlichen Quellen informiert und auch an sie herankommt. Aber sie will nicht ablenken.
“Ja, Panik ist immer falsch. Aber was bei Dennis gerade abgeht, das ist mehr als begründete Sorge vor einer Krankheit, über die wir noch so wenig wissen und die sich ausbreitet wie ein Buschfeuer. Er diskutiert mit mir, ob das Virus wirklich aus einem Labor in China sein kann – da kann man ja meinetwegen noch drüber diskutieren – aber auch, ob ich mir vorstellen könnte, dass jemand das Virus mit Absicht ausgesetzt hat, und wenn ja, wer und warum…”, führt Anna weiter aus.
“Na, immerhin diskutiert er es noch mit dir”, versucht Thea einen Satz der Beruhigung.
“Ja, aber er diskutiert das nicht nur mit mir, sondern auch mit Kollegen bei
