Avi Loeb: Außerirdisch – Intelligentes Leben jenseits unseres Planeten, DVA , 2021, 264 S.

„Wenn das Unmögliche ausgeschlossen ist, muss das, was übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich es ist, die Wahrheit sein.“ (Avi Loeb)

Kurz und knapp: Worum geht’s in dem Buch? Avi Loeb, Professor für Astrophysik und Vorsitzender des Fachbereichs an der Havard Universität, u.a. gerade aktuell auch Vorsitzender des Beratungskomitees des Forschungs- und Entwicklungsprojektes Breakthrough Starshot, setzt sich mit der Möglichkeit außerirdischen Lebens auseinander und dazu exemplarisch mit einer Beobachtung eines Objektes, das sich im September 2017 an der Sonne vorbei bewegte. Dieses Objekt, das über Teleskope auf Hawaii beobachtet wurde, bekam von den Astronomen den Namen „‘Oumuamua“ – auf hawaiisch ungefähr „Kundschafter“. Es entbrannten heftige Diskussionen, Unmengen an Berechnungen wurden angestellt und Ergebnisse und Argumente darüber veröffentlicht, was für ein Objekt „‘Oumuamua“ gewesen sein könnte. Die letztendlich offizielle Erklärung, trotz Ermangelung einer physikalisch wirklich eindeutig plausiblen: Es müsse sich um ein natürliches Objekt handeln, auch wenn diese Erklärungen scheinbar auf lauter naturwissenschaftliche Widersprüche stößt. Der Astrophysiker Loeb ist anderer Meinung und hält es durchaus für möglich, dass es sich um „Weltraumschrott“ einer anderen Zivilisation handeln könnte, eventuell ein übriggebliebenes Sonnensegel eines ehemaligen Flugobjekts. Er begründet das ausführlich. Er ist dafür ein Fachmann, denn in dem o.g. Forschungsprojekt geht es um die Entwicklung von Sonnensegeln für unsere eigene Raumfahrt.

Er bemängelt nicht nur die Obstination, mit der die Möglichkeit dieser These abgelehnt wird, sondern auch unsere mangelnde Bereitschaft, uns mit der Einsicht zu konfrontieren, dass wir nicht einzigartig und auch nicht allein im Universum sind.

Mir geht es hier nicht darum, meine eigene Position kundzutun, was „‘Oumuamua“ gewesen sein könnte, denn ich bin kein Astrophysiker – dafür empfehle ich jedem, das Buch selbst zu lesen, und sich eine Meinung zu bilden -, sondern um die psychologische Seite genau dieser obstinaten Ablehnung, mit der Menschen nicht nur auf die Vorstellung der Existenz außerirdischen Lebens reagieren, sondern vor allem darauf, dass diese uns streifen oder gar „besuchen“ könnten. Bei „‘Oumuamua“ geht es ja nicht mal um einen irdischen UFO-Besuch, sondern um etwas, was weit von uns weg vorbeigeflogen ist. Wieso kann diese These nicht gleichrangig neben den anderen Thesen stehen? Unbeweisbar, aber theoretisch möglich, genau wie einige andere?

Während des Lesens des Buches und seinen Ausführungen, wie sehr er auf Ablehnungen gestoßen ist, obwohl er ja wirklich kein „Spinner“, sondern vom Fach ist, fragte ich mich immer wieder: Was führt zu dieser unglaublichen Leidenschaft und Vehemenz, mit der diese Vorstellung, dass es Weltraumschrott einer anderen Zivilisation sein könnte, abgelehnt wird? Die Frage scheint mit Emotionen behaftet, die über rein wissenschaftliche Ablehnung hinausgeht.  

Und genau das beschäftigt mich: Es geht hier nicht nur um sachliche, wissenschaftliche Argumente für und wider, sondern offenbar um eine ganze Weltanschauung: Die grundsätzliche Ablehnung der Möglichkeit, dass wir mit Außerirdischen irgendwie in Berührung kommen könnten, die sich äußert durch: entweder Belächeln oder einer aufgesetzten Gleichgültigkeit der Frage gegenüber oder einer plakativen Zurückweisung: „Es muss bei den Sichtungen eine ganz ‚natürliche‘ Erklärung geben“ – und dieses ‚natürliche‘ soll wohl etwas sein, was keine Angst macht, dem eigenen Weltbild entspricht und in diesem Weltbild sind Außerirdische eben keine natürliche Erklärung.

Auch in meinem Bekanntenkreis stoße ich vorwiegend auf Menschen, die sich über die Beschäftigung mit UFOs (jetzt UAPs) und Hinweise auf extraterrestrisches Leben lustig machen und mich hier vielleicht sogar als „spirituell durchgeknallt“ abtun, weil ich der Frage einen Blogeintrag widme und solche Bücher lese. Die wenigstens unter ihnen lehnen zwar die theoretische Möglichkeit einer Existenz von „vielleicht irgendwie was Lebendiges da draußen“ rundweg ab, (das ist auch schwer angesichts der Immensität des Universums und der Möglichkeit, dass es noch andere Universen gibt), aber erstaunlich wenige können dann wiederrum glauben, dass wir damit dann tatsächlich auch mal in Berührung kommen könnten. Die Sichtungen müssen ihrer Meinung nach etwas anderes sein, vielleicht doch alles Fake (tatsächlich wurden früher die Jet-Piloten öfter für verrückt erklärt, wenn sie so etwas berichteten), aber was das sein könnte, ist ihnen eigentlich egal und es hat für sie keine Relevanz. So einfach ist das. Wirklich? Keine Relevanz? Was sagt das über uns aus?

Zwar löste am Halloween-Vorabend des Jahres 1938 das Hörspiel im Radio „Krieg der Welten“ von Orson Welles eine Massenpanik an der US-Ostküste aus, weil die Menschen nicht begriffen, dass die Invasion von Außerirdischen keine echte Nachricht war, aber ansonsten verwundert mich die Gleichgültigkeit, mit der die Medien und die breite Öffentlichkeit auf die Hunderte von unerklärlichen Sichtungen, zurzeit gerade verstärkt, reagieren. Und ich sehe jetzt schon viele meiner Blog-Leser, die an dieser Stelle denken: „Ohé, schon wieder so ein Mumpitz.“ Ich stelle fest, dass viele von den NASA- Berichten und den Sitzungen im US- Kongress von 2021 nicht einmal etwas wissen, denn es ging nicht wirklich durch die breiten Medien, schon gar nicht durch die Schlagzeilen. Und ich frage mich:

„Wieso nicht?“

Dazu darum vorab ein kleiner Exkurs:

„Wir sehen sie überall. Wir beobachten eine beträchtliche Anzahl von UFOs, deren Natur nicht klar ist“. So steht es im ersten Absatz des Berichts von drei Astronomen des Astronomischen Hauptobservatoriums der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine, – ein von der NASA beauftragtes Research Team-, der am 16. September 2022 veröffentlicht wurde. Diese Objekte fliegen mit Geschwindigkeit bis zu 15 Kilometer pro Sekunde (54.000 km/h).

Spannend? Wenn es der Anfang eines Science-fiction Romans wäre, würden die Leser dran kleben bleiben, denn als Fantasiegeschichte reißt es den Menschen mit, wie man an den unzähligen Science-Fiction Filmen sieht. Das ist jetzt aber echt. Und plötzlich reißt es nicht mehr mit? Es gab jedenfalls nach der Veröffentlichung dieses Berichts keine einzige Hauptschlagzeile in den Leitmedien dazu, nicht in der Tagesschau, nicht in den Tagesthemen, nicht in der FAZ, nicht in der SZ, nicht mal im Wissenschaftsteil des Spiegel-online. Zwar berichten viele Zeitungen darüber – aber irgendwo unter ferner liefen, aber nicht als etwas, was die Hauptseite wert wäre. Man musste schon sehr gezielt danach suchen (am Ende des Blogs setze ich eine Linkliste). Meines Wissens hat bezeichnenderweise gerade die Bild das Thema nicht mal in einem Nebenartikel aufgegriffen, auch nicht online. Erstaunlich! Man hätte meinen müssen, für die Bild hätte das ein gefundenes Fressen sein müssen. Ich sehe die Schlagzeile, fett rot unterstrichen: „Greifen jetzt Marsmännchen in den Ukraine-krieg ein?“. Das wäre der Bildzeitung würdig gewesen. Wieso erwähnen sie diese Nachricht mit keiner Silbe? Das ist sehr kurios. Stattdessen befand die Bild, dass am 17.09. 22 die Schulden des namibische Botschafters A. Guibeb als Leitartikel spannender war.

Das erinnert mich an das Kapitel „The unmarked space. Was Leitmedien nicht thematisieren“, aus dem Buch von Precht und Welzer „Die vierte Macht“, 2022. Zitat: „Die Menschen leben nicht in einer Realität, sie erzeugen sie.“ Gemeint ist, dass der Mensch sich seine Realität schafft, indem er dem einen Aufmerksamkeit schenkt und etwas anderes ausblendet, nach dem Motto: Mit was ich mich nicht beschäftige, tritt nicht in meine Realität ein. Was nicht in meine Realität eintritt, existiert für mich nicht. Das ist den Philosophen schon lange bekannt. Das auf die japanische Philosophie zurückgehende Bild der drei Affen „nichts sehen, nichts hören und nichts sagen“ drückt das Gleiche aus: Ich sehe nichts, ich weiß nichts, dann passiert schon nichts. Mit dem Klimawandel und dem Artensterben verfahren viele ja genauso.

Wenn ich mich nicht mit UFOs und den unerklärlichen Beobachtungen beschäftige, existieren sie nicht und es muss mir nicht unheimlich sein.  Ich komme damit zurück zum Thema:

Jetpiloten der Navy haben immer wieder Flugobjekte beobachtet. In den Jahren 2004 und 2015 zeichneten die Bordkameras von Navy-Jets mehrere solcher Begegnungen mit unbekannten Flugobjekten auf. Darauf zu sehen: ovale, sehr schnell fliegende Objekte, die keinen sicht- oder messbaren Antrieb zu haben scheinen und Manöver fliegen konnten, die man bis heute nicht erklären kann. 2017 ging ein Video mit dem Gespräch zweier Piloten unter dem Schlagwort ““Look at that thing!“ um die Welt, (-aber nicht durch die Leitmedien). Die Objekte vollführen Flugmanöver und Richtungswechsel, die mit menschlicher aktueller Technik nicht möglich sind. 140 solcher Sichtungen kann sich das Pentagon bis heute nicht erklären und 2021 wurde die Ufo-Sichtungen auch im US-Kongress debattiert. Der „Intelligence Authorization Act“ von 2021 setze den US-Geheimdiensten, die bis dato die Nachforschungen geheim gehalten hatten, eine Frist von 180 Tagen, den Kongress über Ufos zu informieren. Ach ja, die heißen aber jetzt nicht mehr UFOs, sondern „unidentified aerial phenomena“, UAPs. Schon im Jahr 2017 hatte die US-Regierung erstmals zugegeben, dass eine Abteilung des Pentagon mindestens seit 2007 mit einem Millionenbudget Ufo-Sichtungen erforscht hatte, die meisten davon stammten von US-Kampfpiloten der Navy, weswegen die „Unidentified Aerial Phenomenon Task Force“ später an den Marine-Geheimdienst angedockt wurde.

Im Kongress ergab sich, „dass aber die Hauptsorge der USA natürlich sei, dass eine verfeindete Großmacht, China oder Russland etwa, ein technologischer Durchbruch gelungen sein könnte, der sie dazu befähigt, solche Flugobjekte entwickelt zu haben“, so Senator Marco Rubio 2021.

Das ist die Sicht der Politiker, nicht unbedingt der NASA. Auch Politiker haben offenbar ihre Schwierigkeiten mit der Akzeptanz des sehr Unwahrscheinlichen und ziehen es vor, an das Unmögliche zu glauben (siehe Eingangszitat von A.Loeb), um nicht ihr Weltbild umzukrempeln.

Was sind die möglichen Gründe für das Ablehnen vieler Menschen, einschließlich der Medien und Politiker, das Thema „Außerirdische Zivilisationen“ und UFOs ernst zu nehmen?

Das treibt mich um seit dem Buch von Avi Loeb. Dafür mag es mehrere Motive geben. Für mich habe ich drei Hauptmotive ausgemacht

1. Ein Thema, das überhaupt keine Nutzen-Risikoeinschätzung erlaubt.

(Angelehnt an den pragmatischer Wahrheitsbegriff des Philosophen William James, amerikanischer Philosoph, 1842 – 1910). Ein Motiv ist vermutlich, dass der Mensch mit diesem völlig diffusen Gefühl einer eventuellen Existenz von Außerirdischen nicht weiterkommt. Es ist etwas absolut Uneinschätzbares für ihn. Er kann weder Risiko noch Benefiz auch nur annähernd evaluieren. Er weiß nicht mal, ob es überhaupt ein Risiko oder ein Benefiz gibt. Es ist nicht mal Grauzone: es ist völlig unklar, was er davon halten soll. Keine Spekulationsmöglichkeit. Keiner weiß irgendetwas Genaues, es gibt nicht mal gängige Verschwörungstheorien dazu. Was bleibt dem Menschen angesichts so viel Unklarheit? Es einfach ignorieren! Alles wird vom menschlichen Primatengehirn danach evaluiert, was für ihn relevant ist und welche praktischen Folgen eine angenommene Wahrheit für ihn hat. Informationen werden mit alten Denkmustern abgeglichen, es wird nach Übereinstimmung, Wiedererkennung und erfahrenen Konsequenzen gesucht. Nach William James dient Wahrheit zur Orientierung. Wenn sie keine Orientierung bietet, dann benötigt er als der Trockennasenprimat, der der Mensch nun mal ist, diese Wahrheit nicht. Wahrheit ist nichts Absolutes. Was wahr ist, wird nach der Kultur und den aktuellen Lebensumständen entschieden, in der er lebt. Und UFOs sind in unserer Kultur nicht „wahr“, gehören nicht zu dem, über was man sich unterhält, was einen diskutierten Impakt haben könnte. Und Orientierung gibt es schon mal gar nicht – außer, man hofft, dass in den UFOs Wesen sitzen, die im letzten Moment den Menschen vorm Untergang retten. Aber dann kommen wir bereits in die Religion und entfernen uns von der Wissenschaft.

2. Die vierte Kränkung der Menschheit

Eine andere Möglichkeit wäre, dass der Mensch die Annahme von viel intelligenteren Wesen als „vierte Kränkung der Menschheit“ ansieht. Die Idee mit den Kränkungen der Menschheit kommt von dem guten alten Sigmund Freud. Er meinte, der Mensch habe drei Kränkungen in seiner Geschichte erfahren: die erste war Kopernikus: der Mensch ist nicht Zentrum des Universums. Erster Schlag in die Magengrube des menschlichen Selbstbewusstseins.

Zweite Kränkung: Der Darwinismus. Der Mensch hat gemeinsame Vorfahren mit dem Affen, zählt sogar mit ihm zu den Primaten: den oben erwähnten Trocken- oder Haarnasenaffen. Welch‘ Schmach für eine Wesen, das sich nach dem Ebenbild Gottes erschaffen wähnte, ist es eigentlich das Ebenbild eines Affens mit besonders ausgeprägten Neocortex und raffiniert ausgeklügeltem Sprachzentrum.

Die dritte Kränkung glaubt Freud dem Menschen selbst zugefügt zu haben und zwar mit der Erkenntnis, dass der sich seit den griechischen Philosophen so rational glaubende Mensch tatsächlich eigentlich zu 95% von seinem Unterbewusstsein gesteuert wird. (Der zeitgenössische Philosoph Gerd Scobel geht von sieben Kränkungen aus, die er in seiner Youtube-Sendung „Scobel“ genau definiert. Das Video ist sehenswert, wie der gesamte Kanal von Gerd Scobel, soll aber hier mal außen vor gelassen werden.) Wie die breite Öffentlichkeit reagiert hat, die zu den Zeiten der ersten beiden Kränkungen von der Kirche angeführt wurde, ist hinlänglich bekannt.

Ist nun die Vorstellung einer intelligenteren, technisch viel weiteren Zivilisation, überhaupt die Annahme, dass wir wirklich nicht die einzige intelligente Lebensform im Universum sind, für den Menschen eine weitere, vierte Kränkung in seinem Selbstverständnis als „Krönung der Schöpfung“? Und damit für ihn unannehmbar, wie ehemals der Gedanke, dass die Erde mit dem Menschen nicht im Zentrum von allem steht? Dieser Gedanke drängte sich mir als erstes auf, als ich das Buch von Avi Loeb las.

3. Die Leitmedien orientieren sich an dem Themenkatalog der Politiker, auf dessen Agenda das Thema UFOs und außerirdisches Leben eben nicht steht

Bleibt die bereits oben aufgeworfene Frage, wieso auch die Leitmedien, vorneweg die Bildzeitung, die doch für solche Themen prädestiniert wäre (was für ein weites Feld von abenteuerlichen Spekulationen und reißerischen Überschriften), so erstaunlich zurückhaltend in ihrer Berichterstattung sind. Die Angst, eine Massenpanik wie 1938 durch Orson Welles Hörspiel auszulösen, sicher nicht.

Das neue Buch von Richard David Precht und Harald Welzer: „Die vierte Macht“ (2022) brachte mich auf die folgende Schlussfolgerung: Liegt es daran, dass sich die Politik damit nicht beschäftigt, so dass sich auch die Medien dafür nicht interessieren? Eine Theorie des Buches von Precht und Welzer ist, dass die Medien sich vor allem mit den Themen beschäftigen, die auf der Agenda und dem Repertoire der Politiker stehen. Diese These geht wiederum auf eine Studie von Michael Haller von der Otto-Brenner Stiftung 2017 zurück. Bei der Studie kam heraus, dass die Leitmedien sich in den letzten Jahren (die Studie beginnt bei der Flüchtlingskrise 2015) nicht an dem orientieren, was geschieht, sondern wie die Politiker damit umgehen. Danach würde immer kommentiert, was die Politiker gesagt und getan haben und dieses gegebenenfalls kritisiert oder gutgeheißen. Die Autoren konstatieren eine Art gemeinsamen Helikopterperspektive der Leitmedien und der Politiker auf Themen. Zitat S. 79 des Buches: „Sie (die Journalisten) interessieren sich weniger für das konkrete Geschehen als dafür, wie die politische Elite damit umzugehen versuchten“. Wenn die politische Elite also gar nicht damit umgeht, wie im Falle des (absolut seriösen) Berichts der  UFOs/UAPs über der Ukraine – findet es dann auch keine Erwähnung in den Medien? Natürlich beschäftigen sich Politiker mit dem Thema nicht- was sollte die Ampelkoalition-Regierung, eingebettet in soviel brennenden Themen, in einer vier-jährigen Legislaturperiode mit so einem Thema auch anfangen? Es hat für sie objektiv keinerlei Relevanz, da zurzeit keine politischen Entscheidungen gefragt sind, sei es nicht eine Freigabe eines Budgets für weitere Forschungen, was in Deutschland nicht ansteht. Deswegen kann es aber dennoch eine Relevanz für die Medien haben, weil es vielleicht kein politisches Interesse betrifft, aber doch dem Menschen bezüglich seiner Weltanschauung zu denken geben könnte. Eben genau da wäre eine Aufgabe der Medien als „Repräsentationslücke“ durch die Politik, von der Precht und Welzer schreiben.

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Ich würde mir in jedem Fall eine öffentliche Debatte zu dem Thema wünschen und mehr mediale Aufmerksamkeit – trotz des vielen fabulierenden Schwachsinns, der auch dabei herauskommen mag. Es wäre vielleicht Wasser auf den Phantasie-Mühlen der Verschwörungstheoretiker, aber es würde die Menschen etwas mehr für das interessieren, was in der Astrophysik vor sich geht. Die Menschen würden den Blick von ihrem täglichen Klein-Klein auf andere Fragen richten: nach multiplen Universen, nach der Simulationstheorien, nach der Infragestellung der Relativitätstheorie, die gerade aktuell ist. Das wird weder das Klima retten noch Frieden auf der Erde herstellen. Aber es würde den Menschen daran erinnern, wie unwichtig wir sind. Wie banal die neuesten Handys in der Tasche, wie albern SUVs in der Innenstadt und wie wenig wir die „Krone der Schöpfung“ sind. Nicht allen, aber ein paar mehr Menschen. Die, die sich für mehr als das interessieren, was auf der auf vier Jahre ausgerichteten Agenda der aktuellen Politik steht.

Und wer weiß, ob diese Sichtungen nicht doch zukünftig eine Relevanz haben. Keiner weiß das. Genauso wie die Bedeutung der Fragen nach weiteren Universen, nach den Simulationstheorien und nach der Vereinbarkeit von Quantenfeldtheorie und der Einstein’schen Gravitation. Wenn wir mehr sind als „Trockennasenprimaten“, sollten wir uns darüber Gedanken machen: viele Astrophysiker tun das und zu Recht.

In den Himmel zu sehen erdet. Und mit Himmel meine ich unser Universum und all‘ die unglaublichen physikalischen Erkenntnisse und die noch zahlreicheren Unkenntnisse, die wir Menschen angehäuft haben.

Einige Quellenangaben unter vielen von mir konsultierten:

Sehr sehenswert zu dem Thema das Interview in Sternstunde Philosophie auf dem Schweizer Sender SRF vom 26.06.2022 mit NASA-Forschungsdirektor, Thomas Zubuchen, der selbstverständlich davon ausgeht, dass wir im Universum nicht allein sind, sowie die Sendung von Robert Fleischer: UFOs – Die größte Herausforderung der Menschheit , 30 Juli 2022, der sich ebenfalls mit der Frage beschäftigt, warum das Thema UFOs wichtig ist.

Sehr erleuchtend auch das Interview der Spektrum-der-Wissenschaft mit dem Astrobiologen Dirk Schulze-Makush. Sein letztes Buch, zusammen mit William Bains geschrieben: „Das lebende Universum“, ist 2019 im Wissenschaftsverlag Springer erschienen.

Zu den UFO Sichtungen über der Ukraine im September 2022 (mein letzter Zugriff jeweils am 12.10.22)

Originalbericht des Astronomischen Observatoriums in Zusammenarbeit mit der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine https://arxiv.org/pdf/2208.11215.pdf vom 16.09.2022

https://www.hna.de/wissen/ukraine-ufos-ueber-kiew-krieg-luftraum-wir-sehen-sie-ueberall-uap-astronomen-zr-91802957.html, vom 21.09.2022.

https://www.merkur.de/welt/ukraine-krieg-ufo-sichtungen-kiew-astronomie-raetsel-mysterioes-himmelskoerper-usa-91798447.html

Der Stern: Hier sind viele Videos online https://www.stern.de/panorama/weltgeschehen/ukrainische-astronomen-melden-grosse-anzahl-von-ufos-ueber-kiew–32728834.html 17.09.2022.

https://www.stern.de/politik/ausland/us-geheimdienste-muessen-bald-praesentieren–was-sie-ueber-ufos-wissen-9561202.html 12.01.2021.

https://www.futurezone.de/science/article387207/ukraine-krieg-ufos.html Dana Neumann17.09.2022.

https://www.heute.at/s/nasa-studie-findet-unzaehlige-ufos-ueber-kiew-100228000 14.09.2022.

Wissenschaftler nehmen UFOs immer ernster – auch wegen des Kriegs in der Ukraine, von Michael Förtsch auf 1E9 vom 7.11.2022, zählt nicht nur die Objekte auf, die man nicht erklären kann, sondern erklärt auf der anderen Seite auch ausführlich, was die Objekte dann tatsächlich waren, die man erklären konnte – was auch spannend ist.

Das Buch von Precht und Welzer „Die Vierte Macht“, 2022, ist wirklich lesenswert.

Ich habe zu dem Thema auch eine Shortstory geschrieben, die ich hier vollständig veröffentlicht habe.